Artikel zum Infotag am 23.2.2019

Die Schale mit Glück füllen

PiNO e.V. informierte über Trauma und Heilung

Kreis Soest/Hamm. Manchmal reicht ein einzelnes Erlebnis und die Welt stürzt zusammen: der Tod eines geliebten Menschen, ein schlimmer Autounfall, die Flucht aus einem brennenden Haus. All dies kann in der Seele die gleichen Spuren hinterlassen wie anhaltende Erfahrungen von Krieg oder jahrelangen (sexuellen) Misshandlungen. Die Folgen können sein, dass sich die Betroffenen dauerhaft wie erstarrt und hilflos fühlen, sie werden mitunter depressiv oder aggressiv. Warum ist der eine traumatisiert – der  andere aber nicht? Wie wirken sich die Folgen von belastenden Ereignissen aus? Und vor allem: Wie kann man geheilt werden? Antworten liefert der Verein PiNO e.V. aus Werl. Die überregional tätigen Mitglieder hatten jetzt zu einer Info-Veranstaltung in Hamm eingeladen. Daneben geht es dem Verein immer um die Vernetzung von Mitarbeitern im Bereich Trauma.

Um es einfach auszudrücken, spielt bei der Traumaheilung die Selbstbestimmung eine wesentliche Rolle. Susanne Melzer, Heilpraktikerin und Traumatherapeutin aus Münster, verdeutlichte, wie Menschen unterstützt werden können, selbst wieder handlungsfähig zu werden und warum Gefühle wie z.B. Freiheit, Freude und Entspannung so wichtig sind. Oder, wie es Eva Lüdtke, Schulsozialarbeitern und Traumapädagogin an der  Clarenbach-Schule Soest, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, formulierte: „In der Arbeit mit traumatisierten Menschen ist es wichtig, dass eine Stabilisierung für die Betroffenen hergestellt wird.“ Dabei würden viele positive Erfahrungen helfen. Eva Lüdtke: „Um es bildlich auszudrücken: Da die Waagschale des Unglücks bei einem Trauma stark belastet ist, wird in der Traumapädagogik/-therapie die Waagschale des Glücks  gefüllt, damit die Waage wieder in der Balance ist.“ Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum spezifische Angebote für Menschen mit Traumafolgestörungen sich nicht auf Gespräche beschränkten, sondern vielmehr den kreativen Ausdruck ermöglichten, die körperliche Aktivität anregten, Aufgaben gäben und den Kontakt zu anderen förderten.

Wie in jeder anderen Schule auch gibt es an der Clarenbach-Schule Kinder und Jugendliche, die in ihrem Leben Schlimmes erlebt haben, das sie nicht gut verarbeitet haben, so Lüdtke weiter. Einige von ihnen litten sogar an Folgestörungen. Angebote wie die tiergestützte Pädagogik, Reittherapie, Schülerfirma, Deeskalationstraining, Schulkiosk, umfangreiche Berufsorientierung, viele AGs usw. ermöglichten den Schülern und Schülerinnen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und zu erleben, dass sie Stärken hätten und verantwortlich handeln könnten. All das trage zu einer Stabilisierung bei, so die Sozialarbeiterin. Am Beispiel der Schule wurde zudem deutlich, welche Bedeutung ein sicheres und gewaltfreies Umfeld, eine geregelte Tagesstrukur sowie zuverlässige Bezugspersonen sind.

 

Dass Menschen, die keinen sicheren Halt im Leben finden, kaum ihre Traumafolgestörungen besiegen können, liegt da auf der Hand. Ingo Karsten, Erziehungsberater und sozialpädagogischer Familienhelfer aus dem Kreis Soest, umriss die Probleme von geflüchteten Menschen, mit denen er arbeitet. Entwurzelung und Ablehnung im neuen Land, Angst vor der ungewissen Zukunft sind nur wenige Beispiele. Nach eigenen Schätzungen litten 80% der Flüchtlinge unter Traumata, rund 25% schätzt er, hätten eine posttraumatische Belastungsstörung. „Wie soll da Integration gelingen“, fragt er und gibt die Antwort in einem „heilungsförderndem Umfeld und kultursensiblem Arbeiten“. Über Ideen und Lösungsansätzen möchte er mit Flüchtlingshelfern im Rahmen eines Tagesseminars sprechen, dieses findet am Samstag, 11. Mai 2019, von 10 bis 16 Uhr im Langendwiedenweg 77 in Werl statt. Anmeldungen und Informationen unter info@pino-ev.de

 

Über PiNO e.V.

PiNO steht für Psychotrauma, Information, Orientierung und Netzwerk. Der im Jahr 2016 gegründete Verein unter Vorsitz von Anke Schneider aus Werl möchte Anlaufstelle für Betroffene sein, um Traumafolgen abzuklären und Perspektiven der Behandlung und Bewältigung aufzuzeigen. Nicht zuletzt sollen sich alle, die beruflich mit traumatisierten Menschen zu tun haben, über PiNO e.V. vernetzen können, um so Hilfen zu koordinieren. Auf diese Weise sollen Angebote in der Region gebündelt und den Betroffenen zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus bietet der Verein eine fachliche Beratung für und von Ersthelfern, Pädagogen und Menschen, die mit traumatisierten Menschen zu tun haben, an. Als gemeinnützig anerkannter Verein ist PiNO e.V. berechtigt, Spendenquittungen auszustellen. Volksbank Hellweg, IBAN DE90414601166248251900. Kontakt: info@pino-ev.de oder www.facebook.com/TraumaHilfeKreisSoest

Vorstand
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